Forschung

 

Erfahrungsaustausch und Innovation: Zirkel als Methode des Wissensmanagements

Dauer:

Januar 2006 bis Juni 2007

Inhalte:

Begründung

Da aktuell im Wissensmanagement dialogische Verfahren an Bedeutung gewinnen, könnte der Qualitätszirkel als Form des lösungsorientierten und methodisch kontrollierten Erfah­rungs­austauschs eine wichtige methodische Basis sein. Zirkel haben ihr Potenzial Kommu­nikation und Kooperation zwischen Experten zu fördern insbesondere in der industriellen Anwendung unter Facharbeitern belegt, sind aber auch in Dienstleistung und Verwaltung erfolgreich angewendet worden. Eine große Blüte hat das Verfahren auch in der Medizin gefunden, Beispiele dafür sind der Pflegebereich und die Zahnmedizin. Konzeptionelle Erweiterungen des Qualitätszirkels zum Erfahrungs- und Wissenszirkel wurden in Vorläufer­projekten der Forschungsgruppe entwickelt.Dem Projekt liegt die Hypothese zugrunde, dass gruppenorientierte Arbeitsformen zur Qualitätsför­derung weiterhin unter diversen Bezeichnungen existieren und auf das methodische Gerüst des Qualitätszirkels zurückgeführt werden können.

Ziel

Ziel des Forschungsprojektes ist es, das praxisrelevante Potenzial des Zirkels zur Erfah­rungsnutzung und Wissensschaffung zu belegen und jene methodischen Elemente des Zirkels herauszuarbeiten, die diesen Zweck unterstützen und dazu weiterentwickelt werden können.

Vorgehen

Die Arbeitsweise und Wirksamkeit des Zirkels wird in verschiedenen Domänen und Professionen vergleichend auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersucht. Dabei wird auf zurückliegende Erfahrungen in der Industrie ebenso Bezug genommen wie auf aktuelle Zirkelarbeit in der Zahnmedizin.

Die Umsetzung erfolgt in drei Teilprojekten:TP 1:
Die Rolle erfahrungsbasierten Wissens für die evidenzbasierte Zahnmedizin

Wissenstransfer durch kollegiales Fachgespräch und Qualitätszirkelarbeit am Beispiel des AZT (Arbeitskreis zahnärztliches Therapieergebnis) und des PZQ (Praxisforum zahnärztliche Qualitätsförderung).

Bearbeiter: Dr. Christoph Kaiser (Masterarbeit im Rahmen des berufsbegleitenden Studiengangs "Integrated Practice in Dentistry")

Die evidenzbasierte Medizin (EBM) verfolgt den Anspruch wissenschaftlich abgesicherte Forschungsergebnisse für die tägliche Praxis des Arztes nutzbar zu machen. Hierzu existiert eine informationstechnische Infrastruktur, in der Studien, Quellen, Leitlinien oder Curricula dem Praktiker zugänglich gemacht werden. Ein Problem des An­satzes besteht darin, dass die Ansprüche an den methodischen Standard dieser Quellen so hoch sind, dass deren Anwendbarkeit auf alltägliche Kontexte eingeschränkt ist – obwohl sie Tauglichkeit als Handlungsempfehlung für sich reklamieren. Erfahrungs­basierte Wissensbestände finden hingegen in dieser Infrastruktur keine Berücksichtigung.

Die Arbeit will Wege aufzeigen, wie das erfahrungsbasierte Wissen des einzelnen Zahn­arztes ergänzend oder komplementär zur „objektiven“ Evidenz des wissenschaftlichen Wissens in der zahnärztlichen Entscheidungsfindung genutzt werden kann. Hierzu werden zwei elaborierte Formen der zahnärztlichen Qualitätszirkelarbeit aus der Sicht der an ihnen Beteiligten untersucht.

TP 2: Die Arbeitsweise zahnärztlicher Qualitätszirkel im Vergleich zum industriellen Qualitätszirkel

Eine methodische Rekonstruktion auf Basis von Experteninterviews und teilnehmender Beobachtung.

Bearbeiterin: Anja Siedentopf (Magisterarbeit Berufspädagogik)Ein Blick auf die Definitionen und die methodischen Beschreibungen beider Zirkelkonzepte zeigt eine große Ähnlichkeit zwischen industriellen und zahnärztlichen Qualitätszirkeln. Dies belegt, dass Qualitätszirkel keine modische Erscheinung der Gruppenarbeits- und Reengi­neering-Euphorie in den 80er/90er Jahren waren, sondern eine überdauernde metho­dische Substanz haben.

Teilnehmende Beobachtungen sollen die konkrete Arbeitsweise des zahnärztlichen Zirkels beleuchten, Interviews mit zahnärztlichen Zirkelmoderatoren und –teilnehmern sollen deren Wirksamkeit, Bedingungen und Grenzen belegen. Die methodische Rekonstruktion der zahnärztlichen Zirkelpraxis soll die Ähnlichkeiten und Unterschiede beider Formen heraus­arbeiten, um in der Schnittmenge das Potenzial des Zirkels zur Erfahrungs- und Wissensexplikation zu ergründen.

TP 3: Rekonstruktion der Lebensgeschichte industrieller Qualitätszirkel

Start - Verlauf - Ende und weitere Entwicklung anhand von Fallbeispielen.

Bearbeiterin: Kerstin Hofmann (Magisterarbeit Pädagogik)

In diesem Projekt geht es darum, die Qualitätszirkel, die in den 80er/90er Jahren eine Blütezeit in der deutschen Industrie hatten, rückblickend zu bewerten. Es liegen keine Studien vor, die die weitere Geschichte der QZ untersuchen, nachdem diese entweder aufgelöst oder in anderem konzeptionellen Rahmen weitergeführt wurden. Die Einlösung des in ihrer Blütezeit formulierten Anspruchs auf Partizipation und Nutzung des lokalen Wissens wurde bisher nicht systematisch evaluiert.

Aus der Sicht von Beteiligten in mehreren deutschen Unternehmen soll rekonstruiert werden, was an den QZ wichtig war, was gut und was weniger gut funktioniert hat, wie lange die QZ nachwirkten und welche Formen der Qualitäts- und Wissensförderung in Gruppen aktuell existieren. Dabei interessiert besonders die Einschätzung der Experten im Hinblick auf Partizipation, Wissensentwicklung (organisational), Kompetenzentwicklung (individuell) und die Wertschätzung individueller Erfahrung durch die Unternehmen.

Partner:

Masterstudiengang Integrated Practice in Dentistry, Niedergelassene Zahnarztpraxen

Projektleiter:

Prof. Michael Dick, Dr. Christoph Kaiser

Mitarbeit:

Anja Siedentopf und Kerstin Hofmann

Finanzierung:

Eigenmittel